Seit einer Woche ist sie endlich an die Öffentlichkeit getreten: die von mir lang ersehnte Bewegung von MusikerInnen, die sich kritisch mit der noch immer ungeklärten Situation von Künstlerinnen und Künstlern in der Krise auseinandersetzt: „Musik in Freiheit“.

Wir – so darf ich sagen, da ich die Ehre habe, zur langen Liste der ErstunterzeichnerInnen zu gehören – haben unsere Position in einem Manifest dargelegt, das ich hier gar nicht zusammenfassen, sondern gleich wärmstens zum Lesen – und Weiterleiten! – im Wortlaut empfehlen möchte:

www.musik-in-freiheit.de

Unser Manifest wurde am vergangenen Montag zuerst an die „Mainstream“-Medien verschickt (die es derzeit noch zu ignorieren versuchen), am Donnerstag darauf dann an diverse seriöse „alternative“ Medien (z.B. das lesenswerte Multipolar-Magazin, die Nachdenkseiten und der Blog von Norbert Häring).

Zu den UnterzeichnerInnen des Manifests gehört ein bunter Querschnitt durch die Kulturszene: viele Freischaffende und nicht wenige Mitglieder von Theatern, Rundfunk- und Sinfonieorchestern, darunter viele von mir geschätzte Kolleginnen und Kollegen.

Es scheint, als sei für viele von uns der Zeitpunkt gekommen, aus der Deckung zu kommen. Nicht nur Existenzdruck und Duldungsfähigkeit haben eine kritische Grenze erreicht, sondern es geht vielmehr inzwischen ans Eingemachte, an die ethische Substanz: unser Selbstverständnis als Kulturschaffende, unser reines Menschsein.

Ein Rückblick im Zeitraffer: Lockdown für die Kultur

Im Frühjahr 2020 haben wir eingesehen, dass es gut ist, vulnerable Gruppen zu schützen, und uns den harten Maßnahmen (totale Stilllegung des kulturellen Lebens) gefügt. Im Sommer und Herbst haben wir versucht, unsere Tätigkeit unter schmerzhaften Einschränkungen wieder aufzunehmen, wobei es eine heikle Balance zu wahren galt: einerseits zwischen Rücksicht und Vorsicht, und andererseits dem drängenden Bedürfnis nach einem kulturellen Miteinander, das so vieles zur seelischen Gesundheit beizutragen vermag, und wir es deshalb als unverzichtbar ansehen.

Im Winter 2020 haben wir uns dann einem – wissenschaftlich nicht hinreichend begründetem – Lockdown gebeugt, der nicht enden wollte und viele von uns an die Grenzen unserer finanziellen und psychischen Belastbarkeit gebracht hat. Ich selber habe es nicht nur als ungerecht empfunden, dass gerade die Kultur als eine der „unschuldigsten“ Branchen in den Lockdown geschickt wurde, sondern geradezu als Hohn, dass wir von der Politik dem Unterhaltungs- und Freizeitsektor zugerechnet wurden.

Die heutige Situation: Öffnung durch Einschränkung?

Die seit Sommer dieses Jahres von der Regierung beschlossene „Öffnung“ des kulturellen Lebens verdient ihren Namen nicht, denn die Rückkehr in die Normalität ist für uns mit neuen Auflagen und Einschränkungen verbunden: Man verlangt von uns, unseren Lehr- und Aufführungsbetrieb nach den „3G“ (oder „2G“)- Regeln durchzuführen, was für diejenigen, die sich – aus guten und berechtigten Gründen – nicht impfen lassen, entweder ein faktisches Berufsverbot darstellt, oder mindestens eine erhebliche Beschwernis ihrer beruflichen Tätigkeit bedeutet. Sich dauernd testen lassen zu müssen – um täglich aufs Neue zu beweisen, dass man gesund ist – bringt einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Mehraufwand mit sich.

Noch gravierender scheint mir jedoch zu sein, dass wir damit in die Rolle von Kontrolleuren unseres geliebten Publikums gedrängt werden. Wir sollen uns „Gesundheitszeugnisse“ vorzeigen lassen und darüber entscheiden, welche unserer ZuhörerInnen an unseren Aufführungen teilnehmen dürfen und welche nicht. Damit werden wir faktisch dazu gezwungen, eine Diskriminierung zu praktizieren, die wir aus ethischen Gründen und aus ganzem Herzen ablehnen.

Wir haben also die Wahl: entweder zu Mittätern zu werden, falls wir dieses unwürdige Spiel mitspielen, um unseren Job zu retten, oder zu Straftätern, indem wir uns dem verweigern, gegen Verordnungen verstoßen und damit unsere Jobs riskieren. Dieser Spagat, in den uns die gegenwärtige Politik zwingt, ist auf Dauer nicht auszuhalten.

Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit sinnvoller Maßnahmen gegen die unkontrollierte Ausbreitung einer möglicherweise gefährlichen Krankheit:

Es muss andere Wege geben, als Kulturschaffenden eine Verantwortung aufzubürden, welche die Politik nicht zu tragen bereit ist.

Die Regierung beschließt Maßnahmen, und zwingt uns dazu, sie zu vollstrecken.

Ich bringe es nicht übers Herz, Menschen von meinen Chorproben und Auftritten auszuschließen, nur weil sie keinen Impfpass oder Testnachweis vorlegen können. Dabei hilft mir nicht, dass ich es möglicherweise nicht selber tun muss, sondern z.B. das Einlasspersonal. Die oft gehörte Meinung, diese Leute seien ja „selber schuld“ – sie könnten sich ja ganz einfach (und kostenlos) impfen lassen -, überzeugt mich ganz und gar nicht. Im Gegenteil, hier schwingt etwas mit, das mich an die eher dunkleren Kapitel unserer Geschichte erinnert.

Apropos: Wenn ein derartiger Druck nötig ist, einer Impfung zuzustimmen, die weder vollständig zugelassen und klinisch getestet ist, noch vollständigen Schutz bietet oder frei von Nebenwirkungen ist, und wir dafür unsere tiefsten künstlerischen und menschlichen Überzeugungen preisgeben (und unsere Grundrechte verraten) müssen … dann bin ich versucht zu denken, dass wir inzwischen von der Pharmaindustrie regiert werden.

Wir sind viele, und wir werden unsere Stimme erheben

Es tut gut, zu erleben, dass es bundes- und weltweit viele Menschen gibt, die ähnlich empfinden und nicht bereit sind, alles mitzumachen, die etwas zu sagen haben und sich trauen, dies auch in der Öffentlichkeit zu tun. Und wer weiß: vielleicht gestaltet hier gerade der von mir erträumte Globale Kulturelle Aufsichtsrat, den ich an anderer Stelle beschrieben habe ….

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