Globale Krisen benötigen eine globale Antwort. Solches dürfte in diesen Tagen – angesichts der Pandemie und der Finanz- und Klimakrise – deutlich geworden sein. Nur, von wem dürfen wir diese erwarten?

Es zeigt sich immer mehr, dass etwa die Nationalstaaten nicht willens und in der Lage sind, weltweit operierende multinationale Konzerne in ihre Schranken zu weisen, sie effektiv zu besteuern, oder für angerichtete Schäden zumindest in Haftung zu nehmen.

Haben deren globale Elitenetzwerke inzwischen eine Art Weltregierung etabliert? Immerhin ist kaum mehr zu leugnen, dass Digitalkonzerne wie Microsoft, Facebook, Google und Amazon die Arbeit aller bisher dagewesenen Geheimdienste in den Schatten zu stellen vermögen. Und auf ihren geheimen Netzwerktreffen im „Sun Valley“ werden die Weichen für die Kommunikation von Milliarden von Menschen gestellt.

Einen Schritt weiter sind die Herren des Weltwirtschaftsforums (WEF), bei dem sich die führenden Staatschefs und CEOs nebst einflussreichen Persönlichkeiten aus allen weltweiten Bereichen im beschaulichen Davos die Klinke in die Hand geben – ihr aktuelles Programm für die Welt ist der „Great Reset“, das geplante Herunterfahren und ein kontrollierter „Neustart“ der Weltwirtschaft. Und wir dürfen vermuten, dass viele Dinge, die sich aktuell auf der Weltbühne abspielen, dieser Agenda folgen.

Niemand kann diese Herren (und wenigen Damen) aufhalten

Denn sie operieren außerhalb (oder oberhalb?) der Staatlichkeit, so dass sie den rechtlichen Schranken, in die man sie gern weisen würde, schlicht und ergreifend nicht unterliegen. Es gibt natürlich die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, aber diese hat keinen rechtlich bindenden Charakter….

Diesen ehrenwerten Herrschaften ist gemeinsam, dass sich ihr Interesse nahezu ausschließlich auf den materiellen Bereich unseres Daseins konzentriert: die Welt des Körpers, der Technik, der Wissenschaft. Und das ist aus meiner Sicht eine ziemlich reduzierte Art, die Welt und das Menschsein zu betrachten.

Hier, so mein Vorschlag, könnte die Kultur ins Spiel kommen und Ausgleich schaffen: Hat nicht Kunst und Kultur schon immer einen starken transzendierenden, überzeitlichen Charakter gehabt? Und mit ihr, und an ihrer Seite, Religion und Spiritualität, die in noch ganz anderen Zeitspannen denkt, nämlich in Jahrtausenden, Äonen – der Ewigkeit?

Wo Politik und Wirtschaft in kurzfristigen Konjunkturzyklen oder Legislaturperioden von wenigen Monaten oder Jahren denken, sind Kultur und Religion über Zeiträume von Abertausenden Jahren gültig. Wo denken Sie, könnte die Zukunft der Menschheit wohl besser aufgehoben sein?

Schlussendlich ist es kein Entweder-Oder: Hier soll nicht gegen die berechtigte Expertise von Politk und Wissenschaft anargumentiert, sondern deren naturhafte Einseitigkeit ergänzt werden – durch eine Kontrollinstanz mit dem Arbeitstitel „Globaler Kultureller Aufsichtsrat“.

Wie schön wäre es, wenn die Zukunft und das Überleben der Menschheit bestimmt würde von progressiver Forschung und Good Governance auf der einen, aber überzeitlicher, ganzheitlicher, integraler Einsicht auf der anderen Seite? Und wieviel mehr, wenn diese sich künstlerisch, also allgemein verständlich – ohne Herrschaftssprache und Politikersprech – zu artikulieren verstünde?

Es dürfte klar sein, dass den globalen Machthabern auf der Ebene der Nationalstaaten schlecht beizukommen ist – Erstere haben sich dieser Sphäre längst entzogen. Ob sie jedoch in der Lage sind, vor der globalen Community von KünstlerInnen und Weisen weltweit zu bestehen, dürfte sich erst noch zeigen.

Ein paar mögliche Fragen an einen Globalen Kulturellen Aufsichtsrat

Kann sich ein Globaler Kultureller Aufsichtsrat artikulieren, obwohl es ihn formal gar nicht gibt?

– Ja, denn er bildet sich nach dem Gesetz der Resonanz – es ertönen Stimmen aus den unendlichen Tiefen des Weltweiten Netzes, die mit einer Stimme sprechen, ohne dass sie sich zuvor abgesprochen haben müssten.

Wird ein solches Vorhaben nicht bekämpft werden?

– Ja, aber die globalen Eliten haben nicht bedacht, dass wir in einem Zeitalter der Zwei-Wege-Kommunikation leben. Es wird hinfort nicht mehr möglich sein, nur noch in eine Richtung zu senden und unerwünschte Antworten zu unterbinden (es sei denn, man wolle sich wieder auf Radio und TV beschränken). Somit wird jede ihrer Äußerungen von der weltweiten Netzgemeinde unweigerlich geprüft (und entsprechend beantwortet) werden.

Welche Legitimation hat ein Globaler Kultureller Aufsichtsrat?

– Gegenfrage: Welche Legitimation haben Elitenetzwerke wie World Economic Forum, Sun Valley, Bilderberg-Konferenz etc.? Unsere Legitimation besteht darin, dass wir Menschen sind, denen die Zukunft der Menschheit ein Anliegen ist.

Wie äußert sich der Globale Kulturelle Aufsichtsrat?

– Er dichtet und singt, er schreibt und debattiert und antwortet auf Zeitfragen mit kulturellen und künstlerischen Mitteln. Damit bildet er eine wesentliche Kontrollinstanz gegenüber Politik und Wirtschaft, welche die Menschheit auf den Ebenen der Seele und des Geistes anspricht. Es wäre sogar möglich, dass er langfristig die Rolle einer Fünften Gewalt einnimmt (jedoch ohne „Gewalt“), die dort einschreitet, wo die dritte Gewalt (die Justiz) und die vierte Gewalt (die Medien) geschwächt oder vereinnahmt werden.

(lesen Sie auch meinen früheren Beitrag zu diesem Thema mit dem Vorschlag für eine Satzung)

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